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Bahnhofsareal Dachau: Stellungnahme
23. Juni 2021
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Bahnhofsareal Dachau: Konzeptstudie

Konzeptstudie für das Bahnhofsareal in Dachau

Sechs Diskussionsvarianten in Ergänzung zu den Ergebnissen des Ideenwettbewerbs der Stadt Dachau [ Stand: Juni 2021 ]
Die städtebauliche Konzeption des Dachauer Bahnhofsareals ist für die Stadt von zentraler Bedeutung. Dass die Stadt im Jahr 2020 einen städtebaulichen Ideenwettbewerb durchgeführt hat, begrüßt das Architekturforum Dachau ausdrücklich. Nun, im Laufe des Jahres 2021, hat dieser Wettbewerb Erkenntnisse gebracht, die es erforderlich machen, noch einmal grundsätzlich über Aufgabenstellung und Lösungsansätze nachzudenken. Denn selbst die an erster Stelle prämierte Arbeit weist umfangreiche Mängel auf, die vom Preisgericht durchaus erkannt wurden und den Bau- und Planungsausschuss des Stadtrates Dachau dazu bewogen haben, eine Änderung dieser Arbeit in 13 Punkten zu veranlassen. Das erfordert eine Umplanung, die vermutlich sehr weitreichend sein wird und deren Ausgang noch sehr ungewiss ist. Diese Erkenntnisse haben das Architekturforum Dachau bewogen, sich intensiv mit der Problematik zu beschäftigen und sich konstruktiv in die Diskussion einzubringen.
Ergebnis ist eine umfassende Stellungnahme sowie eine Konzeptstudie mit sechs zum Teil unterschiedlichen Lösungsansätzen, die wir nachfolgend vorstellen. Bei der Entwicklung der sechs Planungsvarianten gehen wir davon aus, dass im Sinne einer optimalen Raumkonzeption Flächenumlegungen in begrenzten Umfang möglich sein sollten. Ein in der Stadtplanung absolut übliches, weil vernünftiges Instrument, das die beteiligten Eigentümer gerecht und angemessen am Ergebnis beteiligt. Es ist sicherlich etwas beschwerlicher und bedarf geschickter Verhandlungen. Aber der Bahnhofsplatz ist nun einmal ein Jahrhundert- Projekt für Dachau, das diese Mühen mehr als rechtfertigt. Der Weg des geringsten Widerstandes ist hier fehl am Platz.
 
Über die sechs Lösungsanzsätze
Allen Ansätzen liegt der Wunsch zugrunde, einen urbanen Platzraum zu schaffen, der die Stadt Dachau angemessen repräsentieren kann. Seine Gestaltung soll an die Historie anknüpfen mit der Erhaltung des historischen Bahnhofsgebäudes - und in die Zukunft weisen mittels zeitgemäß moderner Gestaltung von Platzraum und neuer Architektur. Das alte Gebäude soll angemessen ein wesentlicher Bestandteil dieses Platzes sein und den perspektivischen Endpunkt der Bahnhofstraße bilden. Das bedeutet, dass neue Gebäude den Blick nicht behindern dürfen. Auch nicht teilweise! Entwurfsbestimmend ist, allerdings erst in zweiter Priorität, die Anbindung der Langhammer Straße an Bahnhof und Busbahnhof. Diese könnte auch mittels einer Passage (s. Sparkassenplatz) angemessen gestaltet werden. Für ein modernes Dachau stünde u.a. ein Hochhaus am oder neben dem Bahnhofsplatz. Sollte man in Dachau auch weiterhin über hohe Gebäude nachdenken, wäre das der Standort mit der höchsten Priorität. Ein Hochhaus wäre auch von Schloss und Altstadt gut sichtbar und dient der besseren Orientierung in der Stadt, vor allem für Besucher. Zum Vergleich: Am zweiten Dachauer Bahnhof, dem Bahnhof Dachau-Stadt, stehen drei Gebäude knapp unterhalb der Hochhausgrenze! Neben dem hohen BayWa-Turm das alte Bahnwärterhäuschen – ein sympathischer Kontrast. Wir möchten jedoch betonen, dass die unterschiedlichen Hochhausvorschläge in den Varianten optional gedacht sind. Die Konzepte wären auch grundsätzlich ohne diese denkbar.

Allen Ansätzen zugrunde liegt die Forderung nach Multifunktionalität und weitgehender Verkehrsfreiheit, wie in unserer Stellungnahme beschrieben. Allen Lösungsansätzen liegt zugrunde, dass die beiden großen Raumöffnungen an der Frühlingstrasse (Busbahnhof und Bahnhofsplatz) gegliedert bzw. getrennt werden durch eine geschlossene oder geschlossen wirkende Straßenrandbebauung dazwischen. Die Zugänge zu den Gleisen und zum Busbahnhof sollen signifikant herausgearbeitet werden mit direkter Anbindung an den Platzraum. Man soll diese ohne Umschweife erkennen: ein wesentlicher funktionaler Gesichtspunkt. Die Höhenangaben zu den Gebäuden sind noch vage Vorstellungen und müssten im Detail/ Modell überprüft werden. Den Erdgeschoßzonen haben wir z.T. umlaufende Arkaden vorgelagert; neben den bekannten Vorzügen auch zur Verstärkung der Platzwirkung. Die Terrasse vor dem alten Bahnhof, identisch bei allen Varianten, erhält ein Untergeschoss, das tiefer liegt als das Straßenniveau der Frühlingstraße und für attraktive Nutzungen (Läden, Gastronomie usw.) bevorzugt geeignet ist. Von diesem tiefer liegenden östlichen Platzniveau, das dem heutigen Zustand entspricht, erfolgt der ebene und großzügig gestaltete Zugang zu den Gleisen und zum Busbahnhof. Der südliche Bereich am Bahnhofsplatz ist im Wesentlichen in allen Varianten identisch. Dort ist auch die Fahrradgarage untergebracht mit direktem Platzzugang und einem neuen Fahrradtunnel zum Augustenfeld.
Variante A1
Der Plan A1 zeigt eine größtmögliche Platzfläche, die, gegliedert durch einen nördlich zur Frühlingstraße geschlossen Raum und den im südlichen Platzbereich zur Straße offenen Raum , sehr attraktiv sein könnte. Die dargestellten Gliederungselemente auf dem Platz sollen das unterstreichen: Die drei Pavillons an der Frühlingstraße geben dem Platz eine lockere Anmutung und wären auch funktional eine Bereicherung. Bäume, die Schatten spenden, ein Brunnen, Sonnenschirme und Läden, Cafe/Rest. in der Platzrandbebauung ergeben ein vielseitiges Angebot an attraktiven Einrichtungen, die auch zum Verweilen und einer vielseitigen Nutzung einladen sollten. Gleichermaßen für Dachauer Bürger (auch Kinder!) und Besucher. Also alles, was Fritzchen und Lieschen sich so wünschen - Oma und Opa nicht zu vergessen und auch die, die Dachau besuchen, dürften sich willkommen fühlen.

Variante A2
Diese Variante von A1 ist im Prinzip eine Schnecke, die zwei stärker gegliederte Platzbereiche beinhaltet. Der mittige, im Plan 9-geschoßig dargestellte Gebäudewinkel muss nicht zwingend ein Hochhaus sein. Ein solches könnte aber durchaus die Platzwirkung erheblich steigern. Es wäre ein expressives Element das - äußerst sensibel modelliert und gestaltet - im Zusammenklang mit dem historischen Bahnhof ein besonderes Flair entfalten könnte. Auch von den Altstadtterrassen und vom Schloss ein gut erkennbares Orientierungselement. Uns gefällt die Vorstellung, an diesem städtebaulichen Angelpunkt ein deutliches Zeichen zu setzen: wenn nicht am Bahnhof - wo sonst? Zur Umsetzung wäre aber sicherlich sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Variante A3
Dies ist eine weitere Variante von A1, jedoch mit einem Hochhaus an der nordöstlichen Ecke der Platzrandbebauung. Das Hochhaus ist bei weitem nicht so platzbestimmend wie das von A2 und weit genug vom alten Bahnhofsgebäude entfernt, so dass Bedenken hinsichtlich der gestalterischen Kompatibilität sich in Grenzen halten dürften.
Variante A4
Hier wird versucht, mittels eines geschlossenen Querriegels dem Bahnhofsplatz eine kleinräumigere, vielleicht intimere Dimension zu verleihen. Der nördliche Bereich wird zu einem geschlossenen Hof. Beide Räume sind verbunden durch eine Passage. Sie sind im Wesen völlig unterschiedlich. Eine sehr strenge aber konsequente Lösung, die naheliegend erscheint und durchaus diskutabel sein könnte. Auch hier wäre - nicht zuletzt zwecks Geschoßflächenmehrung - ein höheres Gebäude integrierbar.
Variante A5
Hier gibt es nur mehr einen Bahnhofsplatz. Das nördliche Gebäude ist sehr großflächig mit einer Passage, die 3 Bewegungsrichtungen - die Eingänge von Bahnhof und Busbahnhof und den Ausgang Richtung Sparkassenplatz - überdeckt und verbindet. Etwas problematisch ist es vielleicht, passende Funktionen für die Obergeschoße zu finden. Diese Lösung, formal vielleicht nicht unbedingt für Puristen, könnte aber in Bezug auf die Platzwirkung sehr gemütlich werden. Auch hier wäre ein Hochhaus denkbar.
Variante A6
Der vielleicht spannendste Ansatz, der eine differenzierte Raumfolge ergibt. Der nördliche Platz des 1. Preisträgers "schrumpft" dabei zur Gasse, die geradewegs in die neue Bahnhofshalle mündet, mit seitlichem direktem Anschluss des Busbahnhofes. Der neugestaltete Bahnhofsplatz verengt sich nach Norden und mündet geradewegs in die Passage zum Busbahnhof, an die auch der Eingang zu einem Hochhaus angeschlossen werden kann. Die neue Bahnhofshalle stellen wir uns als gläserne Konstruktion vor, profilgleich wie der niedrige vorhandene Anschlussbau am Hauptgebäude des alten Bahnhofs. Der Tunnel zu den Gleisen öffnet sich somit zum Licht und bietet den Anreisenden einen freundlichen, "strahlenden" Empfang. Auch vom Platz her ist dieser Eingang nicht zu übersehen. Mit seiner transparenten Architektur entsteht ein willkommener Kontrast zum massiven Altbau, der jedoch vom Volumen her aus dem Geist des 19. Jahrhunderts abgeleitet ist.

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